Liebe Kinofreunde,

mit großer Freude möchten wir Sie nun zum 5. Kurdischen Filmfestival begrüßen.

Vor zehn Jahren noch diskutierten wir über die Existenz des kurdischen Kinos. Damals konnte man kurdische Filme noch an einer Hand abzählen – heute kann man zweifelsohne von der Geburt des kurdischen Kinos sprechen; es wird sogar ziemlich schnell erwachsen.

Obwohl in den Ländern Türkei, Syrien und dem Iran heute noch immer die kurdische Kultur und Sprache verboten ist, wurden in den letzten Jahren jeweils um die zehn kurdische Spielfilme und über hundert Kurz- und Dokumentarfilme produziert.

Die Möglichkeiten, die mittlerweile von der irakisch-autonomen Region Kurdistan geboten werden, sowie die Digitaltechnologie sind zwei wichtige Gründe für diesen Fortschritt.
Was Yilmaz Güney, Pionier des kurdischen Films, begonnen hat, wird somit fortgesetzt.

Allgemein betrachtet kann man sagen, dass kurdische Filme oft eine „dokumentarische“ Seite haben, jedoch eine poetische Kraft tragen.
Bisher beschränkten sich kurdische Filme auf die Tragödie der Kurden, doch allmählich bewegen sie sich auf vielseitigere Themen zu.

Eröffnet wird das 5. Kurdische Filmfestival Berlin mit dem Spielfilm “Vinterland” des norwegisch-kurdischen Regisseurs Hisham Zaman. Geboren wurde Zaman in Kerkuk. 2004 schloss er die Norwegische Filmschule in Lillehammer ab. Er gehört zu den jungen Hoffnungsträgern des Kurdischen Kinos.

Das Programm des Festivals beinhaltet Werke kurdischer Filmemacher aus allen vier Teilen Kurdistans sowie aus der Diaspora. Insgesamt werden 41 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme gezeigt.

In der Filmreihe “Kurds on the map – Filme aus dem NEUEN IRAK” werden die politischen und sozialen Entwicklungen im irakischen Kurdistan der letzten 15 Jahre durchleuchtet. Unter anderem werden Filme wie  “Half  Moon” von  Bahman  Ghobadi, “Dol“ von Hiner Saleem  „Crossing the Dust“ von Shawkat Amin Korki, sowie „Û Nergiz Bişkivîn“ von Hussein Hassan Ali und Masoud Arif Salih gezeigt.

 

Die Filmreihe „Auf dem Weg in die EU – die Kurden in der Türkei“ thematisiert den Wandel der kurdischen Lage im Kontext der türkischen EU-Beitrittsbestrebungen. So verknüpft Yüksel Yavuz in seinem Dokumentarfilm “Close up Kurdistan” seine persönliche Geschichte als Immigrant in Deutschland mit dem aktuellen türkisch-kurdischen Konflikt.

Mit der Reihe “Kinder an der Grenze” machen wir auf das Schicksal kurdischer Kinder aufmerksam, die wie in allen Kriegen der Welt unschuldig von der Gewalt heimgesucht werden.

Eine weitere Filmreihe – “Kurdische Filmemacherinnen” – fokussiert die Arbeiten kurdischer Regisseurinnen und ihren Blick auf das Leben kurdischer Frauen und Männer in den Herkunftsregionen und im Exil. So erzählt etwa der jüngste Dokumentarfilm der Istanbuler Regisseurin Buket Aydin, "Der Weise im Tal", von einem alten Aleviten in der Bergregion von Dersim.

Erfreut sind wir auch über den Spielfilm "La masseria della allodole appunti dal set" ("The Lark Farm") der italienischen Brüder Vittorio und Paolo Taviani, der den Genozid der Jungtürken an den Armeniern thematisiert. Wir hoffen, dass dieser Film zu einer heftigen Debatte zwischen Armeniern, Kurden und Türken in Berlin führen wird.

Doch damit nicht genug: Viele weitere interessante Filme werden auf dem Festival gezeigt. Diese Filme wurden nach langen Recherchen und Diskussionen durch das Festivalteam ausgewählt.

Hier möchten wir uns bei allen Freunden und Unterstützern bedanken, die zum Gelingen dieses Festivals beigetragen haben. Ganz besonders bedanken wir uns beim Regierenden Bürgermeister Berlins, Herrn Klaus Wowereit, für seine Unterstützung. Wir hoffen, dass es immer mehr Politiker gibt, die sich für das Kino interessieren.

Das 5. Kurdische Filmfestival schlägt eine Brücke zwischen kurdischen und europäischen Filmemachern. Auch hoffen wir, dass das Festival zu mehr Toleranz und Völkerverständigung in Berlin beitragen wird.

Wir freuen uns sehr auf ein gemeinsames achttägiges Kinoerlebnis in der kurdischen Filmelandschaft.

Mehmet Aktaş


KURDISCH


5. Kurdisches Filmfestival Berlin - 2008
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