„Mit 17 war Andrea Wolf meine beste Freundin. 1998 wurde sie als kurdische Terroristin in Ostanatolien erschossen. In Deutschland wurde sie gesucht. Sie wurde verdächtigt, die Rote Armee Fraktion bei der kompletten Zerstörung des Abschiebegefängnisses in Weiterstadt unterstützt zu haben.
1996 beschloß sie, nach Kurdistan zu gehen, um sich der Frauenarmee der PKK anzuschließen. Sie nahm den Namen Ronahi an, und trainierte für einige Monate mit der Frauenarmee meist in Lagern in Nordirak. Im Oktober 1998 wurde ihre Einheit von der türkischen Armee nah der irakischen Grenze aufgespürt. Nur einige der Kämpferinnen überlebten. Später erzählt eine dieser Zeuginnen, Andrea sei nach ihrer Gefangennahme, vermutlich durch Angehörige der türkischen Sicherheitskräfte, exekutiert worden.“(Zit. Hito Steyerl)
Der Film November stellt die Frage nach dem, was früher Internationalismus, heute Terrorismus genannt wird. Die Arbeit untersucht die Gesten und Posen, die damit in Verbindung stehen und ihr Verhältnis zum Kino. Der Ausgangspunkt des Films ist ein feministischer Kungfu-Film, den damals die Filmemacherin zusammen mit Andrea Wolf auf S-8 drehten.
November ist kein Film über Andrea Wolf. November ist kein Film über
die Situation in Kurdistan. Er reflektiert stattdessen die Gesten der Befreiung
nach dem Ende der Geschichte, wie sie in der Popkultur und durch reisende
Bilder verbreitet werden. Der Film handelt von der Epoche des November, in
der die Revolution vorbei zu sein scheint, und nur ihre Gesten weiter zirkulieren.